Durch das Bürgerzentrum Ziehers-Süd wird Integration aktiv gelebt und gestaltet: Mit dem Arbeitsmarktprojekt „JobFlow“ unterstützt die Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Fulda e. V., Frauen mit Migrationshintergrund dabei, ihre beruflichen Perspektiven zu verbessern und langfristig auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das Projekt wird gefördert durch das Förderangebot „IdeA“ (Impulse der Arbeitsmarktpolitik). Durch die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (kurz WIBank) werden die, durch den Europäischen Sozialfond bereitgestellten Gelder, verwaltet und für das Arbeitsmarktprojekt zur Verfügung gestellt. Das Projekt verbindet Sprachförderung, digitale Bildung, gesellschaftliche Orientierung und praktische Berufserfahrung – und schafft damit wichtige Grundlagen für eine selbstbestimmte Zukunft.
Ganzheitliche Förderung für den Einstieg in den Arbeitsmarkt
Viele der teilnehmenden Frauen stehen beim Einstieg in das Berufsleben vor besonderen Herausforderungen: Sprachbarrieren, fehlende Berufserfahrung in Deutschland oder familiäre Verpflichtungen erschweren den Zugang zum Arbeitsmarkt. Genau hier setzt „JobFlow“ an. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist der regelmäßige Deutschunterricht, der sich stark am Alltag der Teilnehmerinnen orientiert. Ziel ist es, Sicherheit im Umgang mit der deutschen Sprache zu gewinnen – sei es im beruflichen Kontext, bei Behördengängen oder im Austausch mit Schulen und Betreuungseinrichtungen. Ergänzend dazu erwerben die Frauen im EDV-Unterricht grundlegende digitale Kompetenzen, die heute in nahezu allen Berufsfeldern erforderlich sind. In dem regelmäßig stattfindenden Gruppenunterricht werden wichtige gesellschaftliche Themen behandelt. Dazu zählen z.B. das deutsche Gesundheitssystem, Angebote der Verbraucherzentrale, Schuldenprävention, Mediennutzung oder auch der Kontakt zu öffentlichen Institutionen wie der Polizei. Diese Inhalte helfen den Teilnehmerinnen, sich im Alltag besser zurechtzufinden und informierte Entscheidungen für sich und ihre Familien zu treffen.
Individuelle Begleitung und persönliche Perspektiven
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der individuellen Unterstützung. In Einzelcoachings werden persönliche Lebenssituationen, mögliche Vermittlungshemmnisse und berufliche Ziele gemeinsam besprochen. Die Teilnehmerinnen erhalten Hilfe bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, werden gezielt auf Vorstellungsgespräche vorbereitet und aktiv bei der Jobsuche begleitet. Diese persönliche Betreuung ermöglicht es, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen – sei es bei der Organisation von Kinderbetreuung, der Klärung bürokratischer Fragen oder der Entwicklung realistischer beruflicher Perspektiven. Positiv hervorzuheben ist die gute Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kreisjobcenter. Durch den regelmäßigen und unkomplizierten Austausch mit den Fallmanagern der Teilnehmenden können die Frauen ganzheitlich unterstützt und Veränderungen zeitnah umgesetzt werden.
Praxisnah: Das Gastronomie-Praktikum als Schlüssel zum Erfolg
Ein herausragendes Element von „JobFlow“ ist das integrierte Praktikum im Bereich Gastronomie, das direkt im Bürgerzentrum Ziehers-Süd stattfindet. Hier erhalten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, erste praktische Erfahrungen in einem geschützten Rahmen zu sammeln und den Arbeitsalltag in Deutschland kennenzulernen. In der Projektlaufzeit (2024-2025) haben 21 Frauen das Praxismodul im Bereich Gastronomie absolviert. Die niedrigschwellige Ausgestaltung des Praktikums erleichtert den Einstieg: Ohne großen Druck können die Frauen ihre Fähigkeiten ausprobieren, neue Kompetenzen entwickeln und herausfinden, welche Tätigkeiten ihnen liegen. Gleichzeitig werden wichtige Schlüsselqualifikationen wie Teamarbeit, Zuverlässigkeit und Zeitmanagement gestärkt. Viele Teilnehmerinnen berichten, dass sie durch das Praktikum deutlich an Selbstvertrauen gewinnen. Die gesammelten praktischen Erfahrungen wirken sich oft positiv auf die Motivation aus und erhöhen die Bereitschaft der Frauen, eine Beschäftigung aufzunehmen. Drüber hinaus haben 14 Frauen ein externes Praktikum in den Bereichen Kinderbetreuung, Altenpflege, Reinigung, Finanzabteilung, Verkauf und Floristik absolviert.
Gleichstellung fördern und Selbstwirksamkeit stärken
Ein zentrales Anliegen von „JobFlow“ ist die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern. Viele Teilnehmerinnen kommen aus Lebenskontexten, in denen traditionelle Rollenbilder vorherrschen oder berufliche Perspektiven für Frauen nur eingeschränkt möglich sind. Das Projekt setzt genau hier an und stärkt gezielt die Selbstbestimmung und Eigenständigkeit der Frauen. Durch die enge Zusammenarbeit mit lokalen Beratungsstellen – etwa dem Beratungsbüro für Alleinerziehende oder der Familienlotsin – können individuelle Problemlagen frühzeitig erkannt und gemeinsam Lösungen entwickelt werden. Im Unterricht werden außerdem Themen wie z.B. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Rechte am Arbeitsplatz oder persönliche Lebensplanung aktiv aufgegriffen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei das sogenannte Empowerment: Die Frauen werden ermutigt, ihre eigenen Fähigkeiten zu erkennen, Entscheidungen selbstbewusst zu treffen und ihre Zukunft aktiv zu gestalten. Dies zeigt sich auch in konkreten Projekten – beispielsweise bei der eigenständigen Organisation und Durchführung eines Essensangebots im Rahmen des jährlich stattfindenden Stadtteilfestes.
Nichtdiskriminierung als gelebtes Prinzip
Ein diskriminierungsfreier Zugang ist grundlegender Bestandteil des Projekts. „JobFlow“ steht allen teilnehmenden Frauen mit Migrationshintergrund unabhängig von Herkunft, Religion, Alter oder persönlicher Lebenssituation offen. Die Werte der Arbeiterwohlfahrt – insbesondere Gleichheit, Gerechtigkeit und Toleranz – bilden dabei die Grundlage der täglichen Arbeit. Feste Ansprechpersonen im Projekt sorgen dafür, dass die Teilnehmerinnen jederzeit Unterstützung finden und mögliche Diskriminierungserfahrungen offen angesprochen werden können. Ein besonderer Aspekt ist, dass die Zuweisung der Teilnehmerinnen über das Jobcenter erfolgt, ohne dass im Vorfeld detaillierte Informationen zu persönlichen Merkmalen wie Religion oder Alter im Projektteam bekannt sind. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Frauen unvoreingenommen aufgenommen werden und gleiche Chancen erhalten. Das Projekt fördert zudem aktiv das Verständnis füreinander: Unterschiedliche kulturelle Hintergründe werden nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung wahrgenommen. Der Austausch innerhalb der Gruppe stärkt das Gemeinschaftsgefühl und trägt zu einem respektvollen Miteinander bei.
Nachhaltigkeit im Alltag verankern
Auch das Thema nachhaltige Entwicklung spielt im Projekt eine wichtige Rolle. Ziel ist es, Umweltbewusstsein alltagsnah zu vermitteln und langfristig im Denken und Handeln der Teilnehmerinnen zu verankern. Hierzu werden regelmäßig externe Fachkräfte – wie beispielsweise der Umweltranger der Stadt Fulda – in den Unterricht eingebunden. Gemeinsam werden Themen wie Mülltrennung, Recycling, Upcycling oder ein bewusster Umgang mit Ressourcen behandelt. Auch nachhaltige Ernährung und Energiesparen sind feste Bestandteile der Lerninhalte. Besonders praxisnah wird Nachhaltigkeit im Rahmen des Küchenpraktikums vermittelt: Hier lernen die Teilnehmerinnen, wie Lebensmittel ressourcenschonend verarbeitet werden können, wie Abfälle vermieden werden und welche Bedeutung regionale und saisonale Produkte haben.
Die im Projekt vermittelten Inhalte wirken dabei weit über die Teilnehmerinnen hinaus: Viele Frauen tragen ihr neu erworbenes Wissen in ihre Familien weiter und sensibilisieren so auch ihre Kinder für einen nachhaltigen Lebensstil. Dadurch entfaltet das Projekt im besten Fall eine langfristige Wirkung im sozialen Umfeld.
Ein Projekt mit Wirkung
„JobFlow“ zeigt eindrucksvoll, wie erfolgreiche Arbeitsmarktintegration gelingen kann: durch eine Kombination aus Qualifizierung, persönlicher Begleitung und praktischer Erfahrung. Gleichzeitig leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zu gesellschaftlichen Themen wie Gleichstellung, Chancengerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung. In der Projektlaufzeit haben insgesamt 58 Frauen an dem Projekt teilgenommen, 16 haben durch die Maßnahme einen Arbeitsvertrag unterschrieben und eine Teilnehmerin hat eine Ausbildung angefangen.
Neben den Zahlen unterstreichen die positiven Rückmeldungen der Teilnehmerinnen, sowie die erreichten Vermittlungserfolge den Erfolg des Ansatzes. Teilnehmerinnen von Jobflow gaben uns folgende Rückmeldungen.
Auch für die Zukunft bleibt das Ziel der Arbeiterwohlfahrt in Fulda, Frauen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Berufsleben zu begleiten und ihnen die notwendigen Werkzeuge an die Hand zu geben, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt nachhaltig zu verbessern.




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