{"id":111549,"date":"2022-07-08T17:02:39","date_gmt":"2022-07-08T15:02:39","guid":{"rendered":"https:\/\/awo-fulda.de\/?p=111549"},"modified":"2022-12-28T15:49:13","modified_gmt":"2022-12-28T14:49:13","slug":"ankommen-in-deutschland-wie-die-awo-birhik-bashar-bei-der-integration-unterstuetzte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/2022\/07\/08\/ankommen-in-deutschland-wie-die-awo-birhik-bashar-bei-der-integration-unterstuetzte\/","title":{"rendered":"Ankommen in Deutschland &#8211; Wie die AWO Birhik Bashar bei der Integration unterst\u00fctzte"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Birhik Bashar lebte mit seiner Familie in der nordsyrischen Gro\u00dfstadt Qamischli, bis ihn der Krieg in seiner Heimat 2015 zur Flucht zwang. \u00dcber den Balkan erreichte der 49-J\u00e4hrige gemeinsam mit seinem Sohn Deutschland und holte zwei Jahre sp\u00e4ter seine Familie nach. Dass er heute einen Job hat, von dem er seine Familie ern\u00e4hren kann, verdankt er Mitarbeitern und Ehrenamtlichen der AWO. Heute sind seine Familie und er selbst AWO-Mitglieder. Warum, das verr\u00e4t er im Interview.<\/strong><\/p>\n<p><strong><br \/>2015 haben Sie Syrien aufgrund des Kriegs verlassen.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, ich bin alleine mit meinem Sohn gekommen. Nachdem wir schon zwei Jahre in Deutschland gelebt hatten, konnte ich meine Frau und meine vier anderen Kinder nachholen. Ich hatte nicht genug Geld, damit wir h\u00e4tten zusammen fl\u00fcchten k\u00f6nnen. Aber das ist lange vorbei.<\/p>\n<p>Einer meiner S\u00f6hne will heute Friseur werden. Meine anderen drei Kinder besuchen die Schule. Und ich bin mittlerweile Opa, weil meine \u00e4lteste Tochter, die mit ihrem Mann in Stuttgart lebt, vor kurzem ein Kind bekommen hat.<\/p>\n<p><strong>Ist es Ihnen schwergefallen, Syrien damals zu verlassen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind wegen des Krieges gefl\u00fcchtet. Die Entscheidung fiel uns zwar schwer, aber wir hatten keine Wahl. Wir mussten an die Zukunft unserer Kinder denken. Mein Onkel war Vorsitzender einer Partei und Gegner von Baschar al-Assad. Er hat ihn auf Demos kritisiert. Assad und seine Leute haben ihn umgebracht. Das hat mich gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Wie sind Sie nach Deutschland gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir waren einen Monat unterwegs \u2013 zu Fu\u00df, im Schlauchboot, mit der Bahn \u2013, bis wir \u00fcber die T\u00fcrkei und den Balkan nach Deutschland gekommen sind. Die Reise war beschwerlich.<\/p>\n<p><strong>Wie schwer war es, in Deutschland anzukommen?<\/strong><\/p>\n<p>Bis klar war, dass ich in Deutschland bleiben durfte, musste ich 1,5 Jahre in einer Gefl\u00fcchtetenunterkunft leben. Danach habe ich einen Deutschkurs besucht und hatte anschlie\u00dfend Gl\u00fcck, schnell eine Stelle gefunden zu haben. In Syrien habe ich als Bauarbeiter gearbeitet.<\/p>\n<p><strong>Und heute?<\/strong><\/p>\n<p>Ich arbeite Vollzeit in einer Umzugsfirma.<\/p>\n<h3>Wie Birhik Bashar AWO-Mitglied wurde<\/h3>\n<p><strong>Wie schwierig war die Jobsuche in Deutschland?<\/strong><\/p>\n<p>Kariem, der im AWO-Stadtteiltreff S\u00fcdend arbeitet, wohnt in meiner Nachbarschaft. Er hat mich ein paar Mal auf Veranstaltungen der AWO eingeladen und mich bei Fragen zu dem ganzen Papierkram beraten. Er hat mir auch erz\u00e4hlt, dass die AWO Menschen bei der Bewerbung hilft.<\/p>\n<p><strong>Das hei\u00dft, die AWO hat Sie bei der Jobsuche unterst\u00fctzt.<\/strong><\/p>\n<p>Genau. Vor vier Jahren kam ich zu Kariem und habe ihm gesagt, dass ich meine Zweifel habe, die deutsche Sprache gut zu beherrschen. Ich wusste, dass ich nicht sprachbegabt bin, und wollte daher nicht erst auf eine Ausbildungsstelle warten, sondern direkt arbeiten. Kariem hat dann den Kontakt zu einer Ehrenamtlichen der AWO hergestellt, die Menschen bei der Jobsuche und bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen hilft. Sie hat in der Zeitung eine Annonce von der Umzugsfirma entdeckt, bei der ich heute arbeite. Zwei, drei Tage sp\u00e4ter hatte ich dort einen Termin und wurde anschlie\u00dfend erst einmal f\u00fcr sechs Monate eingestellt. Ich bin gro\u00df, habe Kraft und einen F\u00fchrerschein. Die Sprachkenntnisse waren weniger wichtig. Deshalb hat mir mein Arbeitgeber eine Chance gegeben. Heute habe ich einen unbefristeten Vertrag, denn mein Chef kann sich auf mich verlassen und ist zufrieden mit mir. Ich habe ihm sp\u00e4ter einen anderen Gefl\u00fcchteten empfohlen, der jetzt auch Teilzeit bei uns arbeitet.<\/p>\n<p><strong>Heute ist Ihre ganze Familie Mitglied bei der AWO. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Ich wollte etwas zur\u00fcckgeben. Die AWO hat uns so sehr bei der Integration unterst\u00fctzt. Ich habe auch an einigen Aktionen teilgenommen. Vor vier Jahren haben wir zum Beispiel im Stadtteiltreff S\u00fcdend ein Gem\u00fcsebeet angelegt. Da habe ich mit angepackt. Auch meine Familie nimmt hin und wieder an AWO-Veranstaltungen im Gallasiniring teil. Kariem meinte, mit der Mitgliedschaft k\u00f6nnten wir die AWO dabei unterst\u00fctzen, noch mehr leisten zu k\u00f6nnen. Die AWO hilft so vielen Menschen. Was gibt es besseres? Und f\u00fcnf Euro pro Monat machen nicht viel aus.<\/p>\n<p><strong>Sie sagten, Sie hatten Probleme Deutsch zu lernen. Aus welchen Gr\u00fcnden?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Freunde, meine Kollegen sprechen polnisch, kurdisch, arabisch, russisch. Zu Deutschen habe ich so gut wie keinen Kontakt. Da f\u00e4llt es umso schwerer, Deutsch zu lernen. Ich hatte nur in der Sprachschule Gelegenheit, Deutsch zu sprechen. Mittlerweile hat sich meine Sprache durch die Arbeit aber etwas verbessert und ich lerne ganz Deutschland und Europa kennen. Ich war zu Umz\u00fcgen in M\u00fcnchen, Hamburg, Berlin, in Holland, der Schweiz, in \u00d6sterreich. Meine Frau bem\u00fcht sich auch, Deutsch zu lernen und besucht regelm\u00e4\u00dfig die AWO-Sprachkurse am Gallasiniring.<\/p>\n<h3>Was Birhik Bashar an Deutschland sch\u00e4tzt<\/h3>\n<p><strong>Welche Unterst\u00fctzung h\u00e4tten Sie sich damals gew\u00fcnscht, als Sie hier ankamen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte gern von Anfang an gearbeitet. Ich kann nicht den ganzen Tag nur zu Hause sitzen.<\/p>\n<p><strong>Welche Bilanz ziehen Sie nach sieben Jahren in Deutschland?<\/strong><\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich wohl, meine Kinder gehen zur Schule. Es geht mir gut. Ich arbeite und ern\u00e4hre meine Familie. Damit habe ich mein Ziel erreicht. Und mir gef\u00e4llt es hier. Ich sch\u00e4tze das politische System, die Gleichberechtigung, Freiheit und Ordnung hierzulande.<\/p>\n<p><strong>Wie geht es Ihnen, wenn Sie heute nach Syrien blicken und sehen, dass noch immer Krieg herrscht?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist wie in der Ukraine. Russland und Amerika wollen ihre Interessen durchsetzen. Und die Russen machen Syrien und die Ukraine kaputt. Das ist schlecht.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie noch Verwandte in Syrien?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Mutter und meine Geschwister leben noch dort. Mein Vater starb vor sieben Monaten.<\/p>\n<p><strong>Glauben Sie, dass irgendwann Frieden in Syrien m\u00f6glich wird?<\/strong><\/p>\n<p>Solange Baschar al-Assad an der Macht bleibt, ist das unm\u00f6glich. Ich liebe meine Heimat. Damaskus ist wundersch\u00f6n. Aber was soll man machen?<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte unser Mitarbeiter Toni Spangenberg.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Birhik Bashar lebte mit seiner Familie in der nordsyrischen Gro\u00dfstadt Qamischli, bis ihn der Krieg in seiner Heimat 2015 zur Flucht zwang. \u00dcber den Balkan erreichte der 49-J\u00e4hrige gemeinsam mit&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":111553,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_editorskit_title_hidden":false,"_editorskit_reading_time":3,"_editorskit_is_block_options_detached":false,"_editorskit_block_options_position":"{}","footnotes":""},"categories":[149],"tags":[],"class_list":["post-111549","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-awo-aus-persoenlicher-sicht","category-149","description-off"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"ru","enabled_languages":["de","en","fr","ru","ar","tr","fa"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"ru":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"ar":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"tr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fa":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/111549","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=111549"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/111549\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":119139,"href":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/111549\/revisions\/119139"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/media\/111553"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=111549"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=111549"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/awo-fulda.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=111549"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}