{"id":31307,"date":"2021-07-02T16:34:28","date_gmt":"2021-07-02T14:34:28","guid":{"rendered":"https:\/\/awo-fulda.de\/?p=31307"},"modified":"2021-11-23T12:15:36","modified_gmt":"2021-11-23T11:15:36","slug":"adriana-oliveira-ueber-die-stadtteilarbeit-in-ziehers-sued","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/awo-fulda.de\/fa\/2021\/07\/02\/adriana-oliveira-ueber-die-stadtteilarbeit-in-ziehers-sued\/","title":{"rendered":"Adriana Oliveira \u00fcber die Stadtteilarbeit in Ziehers-S\u00fcd"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1440\" src=\"https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Header_Adriana_Oliviera-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31308\" srcset=\"https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Header_Adriana_Oliviera-scaled.jpg 2560w, https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Header_Adriana_Oliviera-480x270.jpg 480w, https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Header_Adriana_Oliviera-640x360.jpg 640w, https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Header_Adriana_Oliviera-768x432.jpg 768w, https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Header_Adriana_Oliviera-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Header_Adriana_Oliviera-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">\u201eDie Sprache ist bis heute ein Problem und das sicher f\u00fcr viele Migranten\u201c<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Adriana Oliveira ist ein AWO-Urgestein. Seit mehr als 18 Jahren arbeitet sie f\u00fcr den Wohlfahrtsverband und leitet heute den Bereich Integration und Bildung. Daneben k\u00fcmmert sich die geb\u00fcrtige Brasilianerin gemeinsam mit den Bewohnern von Ziehers-S\u00fcd um die Gestaltung des Stadtteils. Im Gespr\u00e4ch berichtet sie \u00fcber ihren ungeplanten Umzug nach Deutschland 1998. Sie erz\u00e4hlt von Erfahrungen der Diskriminierung und verr\u00e4t, wie ihr Kindergartenkinder beim Lernen der Deutschen Sprache halfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Frage:<\/strong><br><strong>Hier im Gallasiniring 30, wo wir dieses Gespr\u00e4ch f\u00fchren, er\u00f6ffnet am 9. Juli das erste Stadtteilcaf\u00e9 in Ziehers-S\u00fcd. Ist das richtig?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Adriana Oliveira:<br>Ja, genau. Denn ein gro\u00dfes Interesse der AWO und des Projekts \u201eSoziale Stadt\u201c ist die Beteiligung und Aktivierung der Menschen vor Ort. Ich begleite jetzt 24 Studierende der Sozialen Arbeit, die im Rahmen ihres Forschungsmoduls Bewohner befragen: Was braucht so ein Stadtteilcaf\u00e9? W\u00e4ren sie bereit auch mitzuwirken? Was w\u00fcrden sie gerne dort sehen? Die Ergebnisse wollen wir am 14. Juli um 11:30 pr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wieso ist es sinnvoll, die Bewohner in dieses Projekt einzubinden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es bringt nichts als Au\u00dfenstehender zu kommen und einen Stadtteil zu gestalten, ohne die Bewohner mit einzubeziehen. Das Risiko besteht darin, dass man den Bed\u00fcrfnissen der Menschen dann nicht entspricht. Im schlimmsten Fall sieht es im Stadtteil wenige Monate nach der Neugestaltung wieder so aus wie vorher, weil die Probleme weiterhin bestehen. Das hei\u00dft, die Menschen selbst m\u00fcssen sich an der Ver\u00e4nderung beteiligen. Wir geben ihnen Werkzeuge an die Hand, damit sie selbst aktiv werden und gestalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du bist schon seit mehr als 18 Jahren bei der AWO und hast in der Zeit viele Projekte betreut. Bist du schon von Anfang an hier im Stadtteil aktiv?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein. 2003 habe ich bei der AWO angefangen, bin aber schon fr\u00fcher w\u00e4hrend des Studiums f\u00fcr die AWO aktiv gewesen. Damals habe ich gelesen, dass die Hochschule zusammen mit der AWO Studenten sucht, aber nur M\u00e4nner. Frauen waren nicht eingeladen, was ich total diskriminierend fand. Ich habe gesagt, so geht es nicht, und bin einfach zur Infoveranstaltung gegangen. Gemeinsam mit mir war nur eine weitere Frau da, eine Kommilitonin, die ich nicht kannte. Der Professor hat uns damals erkl\u00e4rt, warum nur M\u00e4nner eingeladen wurden. Denn es ging um das Projekt \u201eLohn und Brot\u201c, wo man nur mit m\u00e4nnlichen Klienten arbeitet. Frauen w\u00fcrden da f\u00fcr zu viel Unruhe sorgen. Ich dachte mir aber, es gibt auch junge Frauen, die Probleme mit der Integration in den Arbeitsmarkt haben. Dann k\u00f6nnen wir ein solches Projekt auch f\u00fcr sie machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und wurde der Vorschlag umgesetzt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, wir haben dann das \u201eLohn und Brot\u201c-Auto bekommen, M\u00e4dchen am Aschenberg akquiriert und als erstes gemeinsam Spielpl\u00e4tze sauber gemacht. Ich bin also im Rahmen dieses Theorie- und Praxisseminars zur AWO gekommen. Seitdem war ich am Aschenberg und habe ihn erst im Dezember 2014 verlassen. Dann war ich noch dreieinhalb Monate mit meinem B\u00fcro in der Hauptgesch\u00e4ftsstelle und bin im April 2015 in das Projekt \u201eSoziale Stadt\u201c eingestiegen. Seitdem bin ich halbtags bei der AWO \u201ebefreit\u201c und habe eine halbe Stelle bei der Stadt. Denn das Projekt konnte ich nur im Auftrag der Stadt machen, musste also Mitarbeiterin werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Welche Aufgabe Adriana in Ziehers-S\u00fcd hat<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Welche Aufgaben hast du in dieser Funktion im Stadtteilb\u00fcro Ziehers-S\u00fcd?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin im Quartiersmanagement t\u00e4tig. Ich schaue also, dass wir die Bauma\u00dfnahmen, die sich die Bewohner im Rahmen von zwei Zukunftswerkst\u00e4tten gew\u00fcnscht haben, alle begleiten und dass sie immer unter Beteiligung der Bewohner durchgef\u00fchrt werden. Viele B\u00fcrger haben sich zum Beispiel sch\u00f6nere Wege gew\u00fcnscht, auf denen man gern unterwegs ist, so dass man den Weg als Ziel wahrnimmt. Sozialarbeiter w\u00fcrden sagen, der \u00f6ffentliche Raum muss erobert werden, damit sich Menschen kennenlernen, Vorurteile abgebaut werden. Wir haben die Wege unter dem Motto \u201ebunt statt grau\u201c versch\u00f6nert. Das hei\u00dft, die Bewohner kamen ins B\u00fcrgerzentrum, gestalteten Mosaiksteine und wir sorgten daf\u00fcr, dass sie in den Weg integriert wurden. So identifiziert sich jeder B\u00fcrger mit dem Projekt. Ich bin die Br\u00fccke zwischen den W\u00fcnschen der Bewohner und den beauftragten B\u00fcros. Es geht um Niedrigschwelligkeit. Wenn ich gemeinsam mit anderen etwas bauen kann, sehe ich am Ende das Ergebnis. Das ist ein Punkt, der Menschen zusammenbringt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du hast weiterhin eine halbe Stelle bei der AWO. Was ist dort dein Arbeitsschwerpunkt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der AWO bin ich f\u00fcr den Bereich Integration und Bildung zust\u00e4ndig. Wenn man so will, habe ich den Bereich damals gegr\u00fcndet, weil es ihn noch nicht gab. Es sind so viele Bereiche, die ich koordiniere und miteinander vernetze, dass ich nicht nur f\u00fcr ein einzelnes Projekt arbeite. Ich bin f\u00fcr die Kollegen da, wenn Fragen entstehen. Ich bin f\u00fcr die Akquise von finanziellen Mitteln zust\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was w\u00fcrde dir die Arbeit erleichtern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich w\u00e4re es toll, wenn Ministerien und Beh\u00f6rden in Bund, Land und Kommune eine Klarheit \u00fcber das Budget der Sozialen Tr\u00e4ger herstellen. So br\u00e4uchten wir uns keine Gedanken dar\u00fcber machen, dass im Januar vielleicht f\u00fcnf Kollegen keinen Job mehr haben, weil beispielsweise Projekte ohne Ersatz auslaufen. Nat\u00fcrlich sind die Mitarbeiter der AWO unbefristet besch\u00e4ftigt, doch wir m\u00fcssen immer wieder schauen, wann welche Projekte auslaufen und welche neuen wir beantragen k\u00f6nnen, um jedem auch eine Aufgabe zu geben. Es geht nicht darum, dass es keine Aufgaben g\u00e4be, aber sie m\u00fcssen bezahlt werden. Bisher hat das zwar gut geklappt, aber eine verbindlichere Finanzierung w\u00fcrde diesen Prozess erleichtern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du stammst aus Brasilien. Wie hast du es empfunden von dort nach Deutschland zu kommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Anfang war sehr sch\u00f6n. Ich kam in einem wundersch\u00f6nen Mai und war vorher schon mehrmals im Sommer hier. Deutschland ist f\u00fcr mich im Sommer einfach wunderbar, es ist auch sehr lange hell, was ich aus meinem Land nicht kenne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wann war das?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin 1998 nach Deutschland gekommen. Ich hatte ein R\u00fcckflugticket, denn ich wollte nur ein Jahr bleiben. Das war vorher mit meinem Mann abgesprochen. In dieser Zeit wollte er einen Beruf in Brasilien finden. Ich habe in Brasilien einen Privatkindergarten geleitet und meine Mitarbeiter gebeten, mich f\u00fcr dieses Jahr zu vertreten. Je mehr Zeit verging, desto klarer wurde, dass mein Mann nicht mehr nach Brasilien gehen wollte. Ich habe das auch verstanden, und n\u00fcchtern gesehen war seine Entscheidung richtig. Aber f\u00fcr mich war das traurig. Das eine Jahr habe ich als Urlaub genossen und hatte deshalb einen anderen Blick. Ich habe eine Tochter, die damals etwa zehn Jahre alt war. Sie hat sich gut eingelebt. Nun war es an mir zu schauen, was ich mache. F\u00fcr mich war klar, zu studieren. In Brasilien habe ich Lehramt mit Spezialisierung auf Schulleitung studiert, mir war aber klar, dass ich diesen Beruf hier nie aus\u00fcben kann.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie die Sprachbarriere Adriana vor Herausforderungen stellte<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Dein Mann stammt also aus Deutschland?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Er ist Informatiker und ist in Deutschland geboren. Kennengelernt habe ich ihn in Brasilien. Er hat damals \u00fcber die EDAG ein Projekt f\u00fcr VW in Brasilien betreut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hast du damals in Deutschland Diskriminierung erlebt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht direkt, denn Brasilien wird von den meisten nicht negativ bewertet, und die Kultur ist \u00e4hnlich. Ich habe auch nie Sozialleistungen gebraucht. Die Diskriminierung, die ich erlebt habe, war deshalb eine andere. Ein Beispiel: Ich war bei C&amp;A einkaufen und wollte mit Kreditkarte zahlen. Damals musste man unterschreiben und ich wurde immer wieder nach einem Dokument mit Passbild gefragt. Wenn ich mit meinem Mann einkaufen ging, schaute man nicht einmal auf die R\u00fcckseite, um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob die Unterschrift dieselbe ist. Gro\u00df, blond: Gar keine Frage, das ist seine Kreditkarte. Klein, Ausl\u00e4nderin: Dreimal pr\u00fcfen und einen Ausweis vorzeigen. Das empfand ich als diskriminierend. Heute habe ich ein anderes Selbstbewusstsein und h\u00e4tte dar\u00fcber gelacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hast du das Gef\u00fchl, dass die heutige Gesellschaft offener und toleranter ist als damals?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es war offener und toleranter, seit 2015 haben wir einen Schritt zur\u00fcck gemacht. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass Deutschland ein sozial gerechtes Land ist. Man bekommt viele Chancen. Allerdings muss ein reiches Land wie Deutschland f\u00fcr Chancengleichheit sorgen. Ich denke, dass die Bildung, die die Eltern vorleben, ein Grund daf\u00fcr ist, nicht zu studieren. Daher bin ich auch f\u00fcr Ganztagsschulen. Denn sind die Kinder den ganzen Tag in der Schule, er\u00f6ffnet sich die Chance, dass das ihr Bildungsniveau nicht l\u00e4nger von ihrer Herkunft abh\u00e4ngig ist. Bestimmte Aufgaben m\u00fcssen vom Staat erf\u00fcllt werden, dabei geht es mir nicht um die Erziehung, sondern die Bildung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>War die Sprachbarriere f\u00fcr dich problematisch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, die Sprache ist bis heute ein Problem und das sicherlich f\u00fcr viele, die nicht hier geboren oder als Kind hierher gekommen sind. Aber ich muss sagen, dass ich f\u00fcr meine vielen Fehler eher Sympathie erfahre. Ich empfinde mein Gegen\u00fcber heute eher als tolerant. Das h\u00e4ngt sicher auch mit meinem Selbstbewusstsein zusammen. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen Migranten die Sprache beherrschen, wenn sie hier leben. Aber die Deutschen sollten sich ebenso bem\u00fchen, sie auch zu verstehen und d\u00fcrfen sie nicht l\u00e4cherlich machen, weil sie vielleicht Dativ, Genitiv, Akkusativ oder Artikel durcheinanderbringen. Wichtig ist, sich gegenseitig zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gab es bei dir Situation, in denen es nicht gelungen ist oder schwer gefallen ist, dich zu verst\u00e4ndigen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anfangs, noch bevor feststand, dass ich in Deutschland leben w\u00fcrde, gab es eine witzige Situation. Ich habe fr\u00fcher immer wieder in Deutschland im Sommer Urlaub gemacht. Mein Mann, damals mein Freund, war an der Arbeit. Ich ging zum Karstadt. Dort gab es eine gro\u00dfe Theke mit vielen Ledergeldb\u00f6rsen. Auf einem Schild stand \u201eab 10 DM\u201c. Ich habe eine genommen und ging zur Kasse. Damals habe ich immer einen 100-DM-Mark-Schein in der Geldb\u00f6rse gehabt zur Sicherheit, weil ich kein Deutsch sprach und deshalb den Preis, den die Verk\u00e4uferin nannte, nicht verstehen konnte. An der Kasse gab ich der Kassiererin dann den Schein. Sie redete auf mich ein, immer dasselbe, ich habe sie aber nicht verstanden. Dann drehte sie das Display. Dort stand 160 DM. Das konnte ich nicht begreifen, weil auf dem Schild doch 10 DM stand. Diese Hilflosigkeit, nicht erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, dass doch dort ein anderer Preis stand, war schlimm. Zum Gl\u00fcck konnte ich mit Kreditkarte bezahlen. Zu Hause habe ich das meinem Freund erz\u00e4hlt und er hat mir erst einmal erkl\u00e4rt, was dieses \u201eab\u201c bedeutet. Daran sieht man, in welcher blamablen Situation man ohne Sprachkenntnisse landen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie hast die Sprache dann sp\u00e4ter gelernt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin definitiv nicht sprachbegabt. Mein Mann konnte sehr gut portugiesisch. Das war ein gro\u00dfes Problem, weil wir dann nat\u00fcrlich nicht Deutsch miteinander gesprochen haben. Bei uns gegen\u00fcber war ein Kindergarten. Ich hatte dreimal die Woche einen Sprachkurs und zweimal in der Woche war ich ehrenamtlich in diesem Kindergarten und habe mit den Kindern mein Deutsch ge\u00fcbt, wenn man so will. So habe ich die Sprache gelernt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Warum sich Adriana heimatlos f\u00fchlt<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Du wolltest urspr\u00fcnglich gar nicht hier bleiben. Wie schwer war die Anfangszeit in Deutschland f\u00fcr dich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An dem Tag als der Flieger nach Brasilien ohne mich gestartet ist, habe ich nur geheult, obwohl es eine bewusste Entscheidung war. Ich f\u00fchle mich schon wohl in Deutschland und sogar als Deutsche. Aber von Ende Oktober bis Ende M\u00e4rz f\u00e4llt es mir hier schwer: Ich will nicht aufstehen, st\u00e4ndig regnet es oder mein Auto ist vereist. Ich k\u00e4mpfe mich durch diese Monate. Die Leute haben immer gesagt an folgende zwei Sachen gew\u00f6hnst du dich: Biertrinken und Ski-Urlaub. Ich habe bis heute kein Bier getrunken. Und Ski-Urlaub &#8211; auf keinen Fall. Es kann ein wundersch\u00f6ner hei\u00dfer, sonniger Tag sein. Dann bleibe ich vielleicht mal eine halbe Stunde drau\u00dfen, aber mehr brauche ich nicht. Ich f\u00fchle mich im Sommer wohl. Nat\u00fcrlich vermisse ich auch meine Familie in Brasilien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bist du oft zu Besuch in Brasilien?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei-, manchmal auch dreimal im Jahr. Ich lebe in Europa und kenne nicht einmal Deutschland richtig. Denn fast immer, wenn ich mich entscheiden muss, wo ich meinen Urlaub verbringe, f\u00e4llt die Wahl auf Brasilien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie unterscheidet sich das Leben hier von dem in Brasilien?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mir aus beiden L\u00e4ndern die Rosinen rauspicken k\u00f6nnte, erg\u00e4be das ein Traumland. Diese Leichtigkeit der Brasilianer, nicht so weit in die Zukunft zu schauen und sich zu sorgen, was passieren k\u00f6nnte, die Lust auf das Feiern und die \u00dcberzeugung, dass das Leben schon irgendwie sch\u00f6n wird kombiniert mit der Zuverl\u00e4ssigkeit der Deutschen, immer zu planen, verschiedene Szenarien zu ber\u00fccksichtigen, w\u00e4re traumhaft. Aber nat\u00fcrlich ist das nicht m\u00f6glich. Heute bin ich dazu verdammt heimatlos zu sein. Bin ich in Brasilien vermisse ich Deutschland. Auf dem R\u00fcckflug, da bin ich noch nicht gelandet, vermisse ich schon Brasilien. Ich bin nie zu 100 Prozent zu Hause.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Brasilien wird regiert von einem Mann, der Corona leugnet und die Abholzung des Regenwalds vorantreibt statt ihn zu sch\u00fctzen. Wie hast du <\/strong><strong>Jair Bolsonaros Wahl zum brasilianischen Pr\u00e4sidenten 2018 empfunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In unserem Familienchat auf WhatsApp gab es einen Bruch, da sind 50 Personen drin. Es gab die Bolsonaristen und die Anh\u00e4nger von Lula. Irgendwann gab es Diskussionen, die man sich gar nicht vorstellen konnte. Gesund und niveauvoll war das nicht mehr. Einige haben dann die Gruppe verlassen und die weniger politischen Familienmitglieder wie meine Mutter haben daraufhin gesagt, jetzt ist hier Politik verboten. Ich war sehr entt\u00e4uscht, dass viele in meiner Familie Bolsonaro gew\u00e4hlt haben. Heute findest du kaum jemanden, der das freiwillig zugibt. Ich hoffe, dass wir ihn n\u00e4chstes Jahr los sind. Dass der Mann krank ist, ist keine Frage. Das beweist er jeden Tag.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte unser Mitarbeiter Toni Spangenberg.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Sprache ist bis heute ein Problem und das sicher f\u00fcr viele Migranten\u201c Adriana Oliveira ist ein AWO-Urgestein. 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