{"id":28831,"date":"2021-05-19T21:37:51","date_gmt":"2021-05-19T19:37:51","guid":{"rendered":"https:\/\/awo-fulda.de\/?p=28831"},"modified":"2021-11-23T12:18:47","modified_gmt":"2021-11-23T11:18:47","slug":"tatyana-hirsch-ueber-ihre-integration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/awo-fulda.de\/ar\/2021\/05\/19\/tatyana-hirsch-ueber-ihre-integration\/","title":{"rendered":"Tatyana Hirsch \u00fcber ihre Integration"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1440\" src=\"https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Tatyana-Hirsch_bearbeitet-scaled.jpg\" alt=\"Tatyana Hirsch\" class=\"wp-image-28832\" srcset=\"https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Tatyana-Hirsch_bearbeitet-scaled.jpg 2560w, https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Tatyana-Hirsch_bearbeitet-480x270.jpg 480w, https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Tatyana-Hirsch_bearbeitet-640x360.jpg 640w, https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Tatyana-Hirsch_bearbeitet-768x432.jpg 768w, https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Tatyana-Hirsch_bearbeitet-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Tatyana-Hirsch_bearbeitet-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h4>\u201eAnfangs war es schwer, die deutsche Gesellschaft zu verstehen\u201c<\/h4>\n<p><strong>2004 kam sie der Liebe wegen aus der Ukraine nach Deutschland. Im Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlt Tatyana Hirsch, heute Familienlotsin der AWO am Aschenberg in Fulda, wie sie es aus eigener Kraft, ohne finanzielle Unterst\u00fctzung geschafft hat, sich hier eine Existenz aufzubauen. Sie berichtet \u00fcber ihren beruflichen Neustart, ihre Arbeit bei der AWO und erkl\u00e4rt, welche Rolle die Sprachbarriere bei ihrer Integration gespielt hat.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Frage: <br \/>Wir f\u00fchren dieses Gespr\u00e4ch im B\u00fcrgerzentrum am Aschenberg. Aktuell ist es ziemlich ruhig und leer. Wie sah das vor Corona aus?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tatyana Hirsch:<\/strong> <br \/>Auch wenn es hier aktuell ruhig ist, kommen hin und wieder Leute, denn Bedarfe gibt es auch w\u00e4hrend der Pandemie. Einigen f\u00e4llt es schwer, sich f\u00fcr einen Corona-Test anzumelden. Nicht alle k\u00f6nnen gut mit digitalen Medien umgehen. Nat\u00fcrlich schauen wir nach vorne, und es gibt Vorschl\u00e4ge, neue Projekte zu entwickeln. Aktuell sind wir dabei, daf\u00fcr die notwendigen Gelder zu akquirieren. W\u00e4hrend der Ferien hatten wir beispielsweise ein Projekt mit zw\u00f6lf Kindern und drei Betreuern. Alle wurden davor getestet. Es nennt sich \u201etotal digital\u201c und hatte das Ziel, die Medienkompetenz der Kinder zu st\u00e4rken, damit sie besser mit dem Homeschooling zurechtkommen.<\/p>\n<p><strong>Inwieweit hat Corona diese Arbeit ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Im ersten Lockdown dachte ich noch, in wenigen Wochen oder Monaten ist die Pandemie wieder vorbei. Sp\u00e4ter war dann jedoch klar, dass man mit diesen Rahmenbedingungen leben muss. Die Struktur und Arbeitsweise zu ver\u00e4ndern, war zwar nicht leicht, ist uns aber gelungen. Ich habe mich pers\u00f6nlich digital weiterentwickelt. Fr\u00fcher musste ich das nicht, heute wei\u00df ich, dass es nicht mehr ohne geht. Unsere Teamtreffen, Sitzungen der Familienlotsen, Netzwerktreffen laufen digital und das ist mittlerweile normal geworden.<\/p>\n<p><strong>Was ist deine Aufgabe bei der AWO?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin Familienlotsin und sitze als solche normalerweise nicht hier im B\u00fcro, sondern versuche im Stadtteil aktiv zu sein. Es gibt immer wieder Anfragen von Familien. Vor einiger Zeit wandten sich M\u00fctter an mich, deren Kinder aufgrund von Corona psychische Probleme haben und deshalb wohl das Abitur nicht schaffen werden. In solchen Situationen brauchen sie Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p><strong>Was schl\u00e4gst du Familien in einem solchen Fall vor?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die russischsprachigen Eltern ist es nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Katastrophe. Ihnen war es wichtig, dass die Kinder das Abitur schaffen. Sie sind f\u00fcr ihre Kinder nach Deutschland gekommen. Die M\u00e4dchen stehen nun vor der Wahl, eine Ausbildung oder ein Fachabitur zu machen oder ein Schuljahr zu wiederholen. Die Eltern brauchen in diesem Fall einen Gespr\u00e4chspartner, der ihnen vermittelt, dass es nicht schlimm ist und dass die Wege, um bestimmte Ziele im Leben zu erreichen, sehr unterschiedlich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Was geh\u00f6rt noch zu deinen Aufgaben als Familienlotsin?<\/strong><\/p>\n<p>Zum einen die Fallarbeit, das hei\u00dft, ich stehe in Kontakt mit Akteuren im Stadtteil, wie Kinderg\u00e4rten und Schulen. Wenn eine Erzieherin oder Lehrerin merkt, dass ein Kind Schwierigkeiten hat, ihre Bem\u00fchungen aber daran nichts \u00e4ndern, kann es sein, dass das Problem in der Familie liegt. Dann sind gemeinsame Termine mit der Familie eine M\u00f6glichkeit, daf\u00fcr L\u00f6sungen zu finden. Meine Aufgabe ist es dann, zu schauen, wie wir die Familie noch unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, vorausgesetzt sie m\u00f6chte das. Familien kommen aber auch selbst auf mich zu. Denn Menschen, die neu im Stadtteil sind, brauchen oft Beratung, sind vielleicht gerade auf der Suche nach einem Kindergartenplatz. Daneben k\u00fcmmere ich mich um die Stadtteil- und Netzwerkarbeit.<\/p>\n<p><strong>Was motiviert dich, den Menschen zu helfen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir helfen ihnen nicht, wir unterst\u00fctzen sie, eigene Wege zu finden. Nat\u00fcrlich kann das auch frustrierend sein. Man bem\u00fcht sich, doch nicht immer setzen die Leute Vorschl\u00e4ge um. Es gibt viele F\u00e4lle, wo ich Frauen Ideen und Vorschl\u00e4ge gemacht habe, in Deutschland Fu\u00df zu fassen. Sie waren zwar mit allem einverstanden, haben es jedoch nicht umgesetzt. Dann kommen sie aber nach drei Jahren und sagen, jetzt bin ich doch bereit dazu. Denn jeder hat sein eigenes Tempo.<\/p>\n<p>Es gibt auch F\u00e4lle, in denen Kinder nicht an Aktivit\u00e4ten teilnehmen, eine Ferienwoche abbrechen, weil sie es nicht schaffen, p\u00fcnktlich zu sein. Dann siehst du vielleicht nach zwei Jahren, dass die P\u00fcnktlichkeit pl\u00f6tzlich kein Problem mehr ist und das Kind an der gesamten Ferienwoche teilnehmen konnte. Es ist motivierend, wenn du Fortschritte der Familien erkennst.<\/p>\n<p><strong>Wie lange unterst\u00fctzt du Menschen auf dem Aschenberg bereits?<\/strong><\/p>\n<p>Seit zehn Jahren. Die Lebenswelt der Menschen hier, ob mit oder ohne Migrationshintergrund kenne ich gut. Daher kann ich einsch\u00e4tzen, was die Familien bereit sind, selbst zu tun. Unser Ziel ist es nicht f\u00fcr, sondern mit der Familie etwas zu tun, sie dazu bef\u00e4higen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>Wie Tatyana Teil der AWO wurde<\/h4>\n<p><strong>Wie bist du damals zur AWO gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich stamme aus der Ukraine, wo ich meinen Mann kennengelernt habe und kam mit 35 aus Liebe zu ihm nach Deutschland. Mein Diplom als Lehrerin wurde hier nur teilweise anerkannt. Ich habe mich deshalb daf\u00fcr entschieden, ein neues Studium aufzunehmen. Ich hatte wegen der teilweisen Anerkennung aber keinen Anspruch auf Baf\u00f6g. Das h\u00e4tte ich nur bekommen k\u00f6nnen, wenn ich im Bereich Grundschullehramt weiterstudiert h\u00e4tte. Doch das war nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Wieso nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Ein deutscher Gymnasiallehrer hat mich gefragt, ob ich hier als Grundschullehrerin arbeiten m\u00f6chte. Das wollte ich, weil ich dachte, dass ich bereits gut Deutsch spreche. Er sagte mir dann, dass ich grammatikalisch perfektes Deutsch sprechen m\u00fcsse, um dieses Fach auch in der Grundschule zu unterrichten. Ansonsten f\u00e4nde ich nie einen Arbeitsplatz. Deshalb habe ich mich f\u00fcr ein Studium in Sozialer Arbeit entschieden, musste dann aber parallel arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Und wo hast du gearbeitet?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe mich zun\u00e4chst im Projekt Stadtteilm\u00fctter der AWO engagiert, dann habe ich hier Musik mit Kindern angeboten und parallel in der Sturmiusschule in der Betreuung gearbeitet. Als ich mit dem Studium fertig war, hatte ich deshalb bereits viele verschiedene Dinge bei der AWO gemacht. So bin ich bei der AWO geblieben. H\u00e4tte ich damals nicht arbeiten m\u00fcssen, h\u00e4tte ich die AWO vielleicht gar nicht kennengelernt.<\/p>\n<p><strong>Wie hast du die Arbeit und das Studium \u00fcberhaupt gemanagt bekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Anfangs war es schwer, die Gesellschaft zu verstehen. Als ich im Jobcenter gesagt habe, ich m\u00f6chte studieren, wurde mir gesagt, dass ich daf\u00fcr kein Geld bekomme. Ich konnte das erst gar nicht glauben, weil ich dachte, es gibt in Deutschland f\u00fcr jeden Fall irgendeine finanzielle Unterst\u00fctzung. Doch wegen 300, 400 Euro im Monat wollte ich mich nicht daran hindern lassen, mein Leben nach meinen W\u00fcnschen zu gestalten. Nachdem ich ein Jahr gearbeitet hatte, habe ich dann auch verstanden, dass das, was man an der Hochschule lernt, nicht reicht, um auch in der Praxis gut zu sein. Insbesondere Menschen wie ich, die aus einem anderen Land kommen, brauchen auch Erfahrungen hierzulande.<\/p>\n<p><strong>Du warst alleinerziehend, hast studiert und musstest arbeiten. Jede Aufgabe f\u00fcr sich genommen w\u00e4re ein Fulltime-Job. Wie hat das funktioniert?<\/strong><\/p>\n<p>Meine gro\u00dfe Tochter war damals bereits 14 und sehr selbstst\u00e4ndig. Meine kleine Tochter war damals von 9 bis 18 Uhr im Kindergarten. Der Wunsch etwas zu erreichen, hat mir die Kraft gegeben. Wenn man aus einem anderen Land kommt, muss man etwas leisten. So habe ich den Bachelor geschafft, und jetzt bin ich gerade dabei berufsbegleitend meinen Master zu machen. 2022 will ich das geschafft haben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>Warum die Sprache f\u00fcr Migranten oft ein Problem ist<\/h4>\n<p><strong>Gab es dennoch H\u00fcrden auf deinem Weg?<\/strong><\/p>\n<p>Das Studium war nicht schwierig, weil ich in meinem Heimatland bereits studiert hatte. Die Sprache war das Problem. Auch die Arbeit mit dem Computer war f\u00fcr mich eine Herausforderung. In der Ukraine hatte ich keinen. An der Hochschule gab es damals einen Computerkurs f\u00fcr Anf\u00e4nger. Im Gegensatz zu den anderen Kursteilnehmern wusste ich gar nicht, wie ich den Computer \u00fcberhaupt einschalte.<\/p>\n<p><strong>Inwieweit hat dich die Sprache vor Herausforderungen gestellt?<\/strong><\/p>\n<p>Du kommst an die Arbeit, bist unsicher. Wenn du mit Menschen arbeiten willst, sind geringe Sprachkenntnisse schon ein Problem. Ich habe damals gemerkt, dass ich da etwas tun muss. Die Sprache wird besser, wenn man viel liest. Wenn man das nicht tut oder sich beispielsweise nur auf Krimis beschr\u00e4nkt, bleibt die Sprachentwicklung stehen. Nat\u00fcrlich ist es nicht immer spannend Fachliteratur in seiner Freizeit zu lesen. Ich habe aber verstanden, dass man das machen muss, um weiterzukommen.<\/p>\n<p><strong>Was r\u00e4tst du Menschen, die sich mit der Sprache schwer tun?<\/strong><\/p>\n<p>Sprache lernt man, indem man spricht. Das ist schwierig. Meine gro\u00dfe Tochter redet beispielsweise nie Deutsch mit mir, sondern nur Russisch. Sie sagt, sie kann nicht h\u00f6ren, wie ich Deutsch rede. Aber mit meiner kleinen Tochter rede ich Deutsch. Man muss den Mut haben, zu sprechen und verstehen, dass die Sprachkenntnisse nicht vom Himmel fallen. Ich dachte auch als ich nach Deutschland kam, dass die Sprache kein Problem sein wird. Mein Ex-Mann meinte, schau doch Fernsehen.<\/p>\n<p><strong>Hat das geklappt?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, ich habe das ganze Jahr deutsches Fernsehen geschaut, die Sprache dadurch aber nicht gelernt. Sp\u00e4ter kam meine Mutter und stellte fest, dass ich \u00fcberhaupt kein Deutsch konnte. Sie meinte, das geht nicht. Ich k\u00f6nne nicht ohne Sprachkenntnisse hier leben. Dann habe ich gemerkt, ich muss etwas tun. Unsere Kinder, egal ob du arbeitest oder nicht, wachsen hier auf. Sie haben mehr deutsche Freunde, irgendwann nicht-russischsprachige Partner oder sprechen selbst kein gutes Russisch mehr. Auch deshalb muss man die Sprache lernen.<\/p>\n<p><strong>Hattest du damals, \u00e4hnlich wie deine Mutter, auch das Gef\u00fchl, es w\u00e4re besser zur\u00fcck in die Ukraine zu gehen?<\/strong><\/p>\n<p>So habe ich nie gef\u00fchlt. Ich habe nach Wegen gesucht, zu bleiben. Viele Migranten erinnern sich vielleicht an die sch\u00f6nen Dinge aus ihrer Heimat von fr\u00fcher. Doch sie hat sich im Laufe der Jahre auch ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>H\u00e4ltst du Sprache f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde bei der Integration?<\/strong><\/p>\n<p>Viele haben das Gef\u00fchl, dass alles, was sie in ihrer Heimat erreicht und erlebt haben, hier pl\u00f6tzlich nichts mehr Wert ist. Die F\u00e4higkeit zu sagen, ich muss nochmal anfangen, mich erneut beweisen und weiterentwickeln und die Kompetenzen erwerben, die hier gebraucht werden, ist wichtig. Aber es ist oft nicht einfach. Viele stehen sich selbst im Weg, indem sie sich beispielsweise nur trauen einen Satz zu sprechen, wenn sie genau wissen, dass dieser grammatikalisch korrekt ist. Dieser Perfektionismus bremst den Spracherwerb aus. Menschen, die sich bei der AWO engagieren, kennen dieses Gef\u00fchl jedoch oft nicht. Denn die AWO stellt nicht die Defizite in den Vordergrund, sondern sucht nach den St\u00e4rken der jeweiligen Person. Das motiviert sie, etwas zu machen.<\/p>\n<p><strong>Wieso ist die Sprache \u00fcberhaupt so problematisch?<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Viele haben die Erwartung, nach Deutschland zu kommen und die Sprache sofort zu lernen, weil man unter Muttersprachlern ist. Das ist oft nicht der Fall. Man sucht gerade anfangs immer nach den Menschen, die die eigene Muttersprache sprechen. Das ist auch legitim, weil man Informationen dar\u00fcber braucht, wie das Leben hier funktioniert. Man sucht nat\u00fcrlich auch Anschluss in der Gruppe. Dennoch muss man sich auf die deutsche Gesellschaft zu bewegen. Die AWO hat viele Projekte, die Menschen dabei helfen, auch au\u00dferhalb ihres Freundeskreises Anschluss zu finden. Ich selbst habe bei der AWO immer wieder Begegnungsm\u00f6glichkeiten gesucht.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h4>Wie sich die Integration seit 2004 ver\u00e4ndert hat<\/h4>\n<p><strong>Das hei\u00dft, du hast auf deinem Weg seitens der AWO viel Unterst\u00fctzung bekommen. <\/strong><\/p>\n<p>Ja, die bekomme ich bis jetzt. Bei der AWO geht es immer darum, L\u00f6sungen f\u00fcr Probleme zu suchen. Das ist unser Leitbild. Meine Vorgesetzten suchen immer nach Mitteln und Wegen, Ideen und Vorschl\u00e4ge auch umsetzen zu k\u00f6nnen. So hat man die M\u00f6glichkeit, sich mit seinen eigenen St\u00e4rken immer wieder einzubringen. Auch die Flexibilit\u00e4t, als Mitarbeiter Entscheidungen zu treffen und selbst Verantwortung zu \u00fcbernehmen, motiviert. Das st\u00e4rkt das Selbstbewusstsein.<\/p>\n<p><strong>Inwieweit haben dir deine eigenen Erfahrungen dabei geholfen, Menschen bei der Integration zu unterst\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin sehr direkt und sage den Menschen auch, du musst jetzt das und das machen. Ich wei\u00df, dass das funktionieren kann. Ich schaue mir Unterst\u00fctzungsangebote in der Breite an und kann einsch\u00e4tzen, was zur jeweiligen Person und Situation passen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Ist es, seit du damals nach Deutschland gekommen bist, leichter geworden, sich zu integrieren?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn jemand heute nach Deutschland kommt, gibt es bessere M\u00f6glichkeiten der Beratung und Unterst\u00fctzung. Die Gesellschaft ist generell offener geworden. Migranten werden ganz anders angenommen als vor 20 Jahren. Rein subjektiv w\u00fcrde ich auch meinen, dass heute mehr Kinder mit Migrationshintergrund die Realschule oder das Gymnasium besuchen. Als meine Tochter nach Deutschland kam, war sie etwa 13 Jahre alt und die einzige Migrantin am Gymnasium. Viele haben gesagt, ohne Sprachkenntnisse schafft sie das nicht. Aber sie hat es geschafft. Meine kleine Tochter ist heute auf dem Gymnasium, mittlerweile hat fast die H\u00e4lfte der Klasse einen Migrationshintergrund. Fr\u00fcher haben Lehrer den Eltern geraten, ihr Kind lieber nicht auf das Gymnasium zu schicken, weil sie das Kind nicht unterst\u00fctzen k\u00f6nnten. Heutzutage ist das anders.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00e4re deiner Meinung nach politisch n\u00f6tig, um die Integration weiter zu verbessern?<\/strong><\/p>\n<p>Ich denke, es braucht mehr Ganztagsschulen, damit Kinder mit Migrationshintergrund den ganzen Tag deutsch sprechen k\u00f6nnen. Sobald sie nach Hause kommen, wird in der Regel die Muttersprache gesprochen. Es gibt viele F\u00e4lle, in denen die Kinder hier geboren sind, aber aufgrund fehlender Sprachkenntnisse nicht eingeschult werden k\u00f6nnen, weil sie nur bis 12 Uhr im Kindergarten und anschlie\u00dfend den restlichen Tag zu Hause waren. Am Ende fehlen ihnen so die n\u00f6tigen Deutschkenntnisse. Daher w\u00e4ren mehr Ganztagsschulen eine M\u00f6glichkeit, Kindern aus ausl\u00e4ndischen Familien mehr Chancen zu geben.<\/p>\n\n\n<p><i>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte unser Mitarbeiter Toni Spangenberg.<\/i><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2004 kam sie der Liebe wegen aus der Ukraine nach Deutschland. Im Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlt Tatyana Hirsch, heute Familienlotsin der AWO am Aschenberg in Fulda, wie sie es aus eigener Kraft, ohne finanzielle Unterst\u00fctzung geschafft hat, sich hier eine Existenz aufzubauen. 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