{"id":145476,"date":"2026-06-24T11:10:29","date_gmt":"2026-06-24T09:10:29","guid":{"rendered":"https:\/\/awo-fulda.de\/?p=145476"},"modified":"2026-06-24T11:10:33","modified_gmt":"2026-06-24T09:10:33","slug":"wir-bringen-menschen-zusammen-vom-projekt-awo-hilft-liefert-faehrt-zur-chancenpatenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/awo-fulda.de\/ar\/2026\/06\/24\/wir-bringen-menschen-zusammen-vom-projekt-awo-hilft-liefert-faehrt-zur-chancenpatenschaft\/","title":{"rendered":"Wir bringen Menschen zusammen: Vom Projekt \u201eAWO hilft, liefert, f\u00e4hrt\u201c zur Chancenpatenschaft"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eAWO hilft, liefert, f\u00e4hrt\u201c war ein durch die Stadt Fulda gef\u00f6rdertes kostenloses Unterst\u00fctzungsangebot des AWO Kreisverbandes Fulda. Es umfasste Einkaufs-, Liefer-, Abhol- und Fahrdienste f\u00fcr \u00e4ltere, gesundheitlich eingeschr\u00e4nkte und mobilit\u00e4tseingeschr\u00e4nkte Menschen. Ende M\u00e4rz 2026 musste das Projekt eingestellt werden, nachdem die F\u00f6rderung durch die Stadt Fulda ausgelaufen war.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Personen, die das Angebot \u00fcber mehrere Jahre regelm\u00e4\u00dfig in Anspruch genommen hatten, bedeutete die Einstellung eine gro\u00dfe Unsicherheit. Auch wenn die Corona-Pandemie l\u00e4ngst vor\u00fcber war, blieb der Unterst\u00fctzungsbedarf bestehen: Wer gesundheitlich eingeschr\u00e4nkt ist, keine Familie in der N\u00e4he hat oder nur eingeschr\u00e4nkt mobil ist, steht schnell vor der Frage, wie Eink\u00e4ufe, Arzttermine oder andere notwendige Wege weiterhin bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen. F\u00fcr manche Betroffene war diese Hilfe ein wichtiger Baustein, um weiterhin selbstst\u00e4ndig in den eigenen vier W\u00e4nden leben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine von ihnen ist Frau Haupt. Die 86-j\u00e4hrige Deutschlehrerin im Ruhestand war rund 40 Jahre im Schuldienst t\u00e4tig und engagierte sich auch dar\u00fcber hinaus: Sie organisierte unter anderem Buch- und Theaterveranstaltungen, Lesungen, Diskussionen und kulturelle Angebote f\u00fcr interessierte Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Kunst, Kultur, Reisen und der Austausch mit Menschen aus anderen L\u00e4ndern und Lebenswelten begleiteten sie \u00fcber viele Jahre.<\/p>\n<p>Heute ist Frau Haupt gesundheitlich stark eingeschr\u00e4nkt und auf den Rollstuhl angewiesen. Viele Dinge, die fr\u00fcher selbstverst\u00e4ndlich waren, sind dadurch schwieriger geworden. Das Projekt \u201eAWO hilft, liefert, f\u00e4hrt\u201c war f\u00fcr sie deshalb eine sehr wertvolle Unterst\u00fctzung &#8211; etwa bei Eink\u00e4ufen, Wegen zu Arzt- und Therapieterminen oder anderen notwendigen Erledigungen. Da sie seit vielen Jahren allein lebt und keine Angeh\u00f6rigen in der N\u00e4he hat, bedeutete das Angebot f\u00fcr sie Sicherheit, Entlastung und ein St\u00fcck Selbstst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p>Das Ende des Projekts erlebte Frau Haupt deshalb als gro\u00dfen Einschnitt. Aus ihrer Sicht fehlt \u00e4lteren Menschen h\u00e4ufig eine starke Lobby, obwohl gerade viele Angeh\u00f6rige ihrer Generation viel zum Aufbau der Gesellschaft beigetragen haben. Umso wichtiger war es, nach neuen Wegen zu suchen, damit Unterst\u00fctzung und soziale Kontakte nicht einfach wegbrechen.<br \/>Um die Hilfe nach dem Ende des Projekts f\u00fcr m\u00f6glichst viele fortf\u00fchren zu k\u00f6nnen, suchte die Ehrenamtskoordinatorin vom B\u00fcro Aktiv der AWO Kontakt zum bislang f\u00fcr den Fahrdienst Verantwortlichen. Ziel war es, die Unterst\u00fctzung in anderer Form weiterzuf\u00fchren &#8211; n\u00e4mlich durch sogenannte Chancenpatenschaften, bei denen Ehrenamtliche einzelne Personen regelm\u00e4\u00dfig begleiten und sie je nach Bedarf im Alltag unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Chancenpatenschaften der AWO Fulda sind ein ehrenamtliches Tandem-Projekt, bei dem Patinnen und Paten Menschen in herausfordernden Lebenssituationen pers\u00f6nlich begleiten. Die Unterst\u00fctzung richtet sich nach dem jeweiligen Bedarf und kann zum Beispiel Hilfe bei Alltagsfragen, Beh\u00f6rdenangelegenheiten, Terminen, Sprache, Bildung oder sozialer Teilhabe umfassen. Ziel ist es, durch verl\u00e4ssliche pers\u00f6nliche Beziehungen Teilhabe zu erm\u00f6glichen, Isolation zu verringern und Menschen darin zu st\u00e4rken, ihren Alltag m\u00f6glichst selbstbestimmt zu bew\u00e4ltigen.<br \/>Entscheidend bei den Chancenpatenschaften ist, dass es sich hierbei nicht um Einbahnstra\u00dfen handelt. Vielmehr sollen echte Win-Win-Situationen f\u00fcr beide Seiten entstehen: Die begleiteten Menschen erhalten verl\u00e4ssliche Unterst\u00fctzung, Orientierung und soziale Anbindung. Die Patinnen und Paten wiederum erleben neue Begegnungen, k\u00f6nnen eigene Erfahrungen und Talente einbringen und erfahren, dass ihr Engagement unmittelbar etwas bewirkt.<br \/><br \/>Gl\u00fccklicherweise konnten einige Patenschaften gekn\u00fcpft werden. Eine davon ist die Patenschaft zwischen Frau Haupt sowie Emre I. und Adem A. Beide M\u00e4nner kommen aus der T\u00fcrkei, leben seit einigen Jahren in Deutschland und waren in der T\u00fcrkei als Lehrer t\u00e4tig: Emre I. als Chemielehrer, Adem A. als Lehrer f\u00fcr t\u00fcrkische Sprache und Literatur. Beide m\u00f6chten auch in Deutschland zuk\u00fcnftig wieder als Lehrer arbeiten.<\/p>\n<table style=\"width: 100%; border-collapse: collapse; border-style: hidden;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 100%; text-align: center;\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/effbb043f9b98e40344ae1248885f353-1.png\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"333\" \/><\/p>\n<p><em>Emre I. (links) und Adem A. (rechts) engagieren sich im Rahmen einer Chancenpatenschaft bei der AWO Fulda.<\/em><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Auf das Patenschaftsprojekt wurden sie \u00fcber das Umfeld der AWO aufmerksam. Besonders angesprochen hat beide die M\u00f6glichkeit, sich sozial zu engagieren, etwas f\u00fcr die Gemeinschaft zu tun und zugleich mit deutschsprachigen Menschen in Kontakt zu kommen. F\u00fcr Emre I. und Adem A. war von Anfang an wichtig, nicht nur Unterst\u00fctzung zu erhalten, sondern selbst etwas zur\u00fcckzugeben.<\/p>\n<p>Durch die regelm\u00e4\u00dfigen Begegnungen mit Frau Haupt k\u00f6nnen sie au\u00dferdem ihr Alltagsdeutsch verbessern und das Leben in Deutschland im pers\u00f6nlichen Austausch besser kennenlernen.<br \/>Inzwischen besuchen Emre I. und Adem A. Frau Haupt regelm\u00e4\u00dfig. Meist treffen sie sich einmal in der Woche, trinken gemeinsam Kaffee, unterhalten sich und unterst\u00fctzen sie je nach Bedarf im Alltag &#8211; etwa beim Einkaufen, bei Wegen zur Apotheke oder durch gemeinsame Gespr\u00e4che. Aus der Patenschaft ist dadurch weit mehr entstanden als reine Alltagshilfe.<\/p>\n<p>Beide Seiten beschreiben, dass die Patenschaft von Offenheit, Respekt, Vertrauen und Herzlichkeit gepr\u00e4gt ist. Frau Haupt erlebt die Begegnungen nicht nur als Unterst\u00fctzung im Alltag, sondern auch als bereichernden Austausch mit zwei Menschen, deren Lebenswege, Kultur und Zukunftspl\u00e4ne sie interessieren. F\u00fcr Emre I. und Adem A. ist die Patenschaft zugleich eine M\u00f6glichkeit, sich sozial zu engagieren, ihr Alltagsdeutsch zu verbessern und sich in Deutschland st\u00e4rker angekommen zu f\u00fchlen. Gerade darin zeigt sich, was eine gute Patenschaft ausmacht: Sie ist keine Einbahnstra\u00dfe, sondern eine Beziehung, in der beide Seiten geben, nehmen und voneinander lernen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Sprachkurse vor allem Grammatik vermitteln, entstehen bei den Besuchen echte, alltagsnahe Gespr\u00e4che. Bei Frau Haupt treffen Emre I. und Adem A. auf eine Gespr\u00e4chspartnerin, die in ihrem Leben viel in der Welt herumgekommen und bis ins hohe Alter vielseitig interessiert geblieben ist. So kann ein wechselseitiger Austausch \u00fcber Kultur, Politik, Religion und Reiseerfahrungen entstehen.<\/p>\n<p>Gerade diese Begegnungen sind f\u00fcr beide das A und O, um den eigenen Wortschatz auszubauen, die Scheu davor abzubauen, die deutsche Sprache aktiv zu sprechen, und dadurch in Deutschland \u201eFu\u00df zu fassen\u201c &#8211; wie es sich Frau Haupt f\u00fcr die beiden w\u00fcnscht. Damit zeigt diese Patenschaft beispielhaft, was mit Chancenpatenschaften gemeint ist: Frau Haupt erh\u00e4lt verl\u00e4ssliche Unterst\u00fctzung und regelm\u00e4\u00dfigen sozialen Kontakt. Emre I. und Adem A. wiederum gewinnen Begegnung, Sprache, Orientierung und ein st\u00e4rkeres Gef\u00fchl des Ankommens. Aus praktischer Hilfe entsteht gegenseitige Bereicherung.<\/p>\n<p>Solche Patenschaften schaffen Begegnungen zwischen Menschen, die sich sonst vielleicht nie kennengelernt h\u00e4tten. Sie unterst\u00fctzen bei Bildung und der Arbeitsmarktintegration, helfen gegen Einsamkeit, f\u00f6rdern gegenseitiges Verst\u00e4ndnis und schaffen neue Verbindungen zwischen Generationen, Kulturen und Lebensgeschichten. Genau darin liegt die besondere Chance dieses Projekts.<\/p>\n<p>Wer sich vorstellen kann, selbst eine Chancenpatenschaft zu \u00fcbernehmen, ist herzlich eingeladen, sich zu melden. Gesucht werden Menschen, die Zeit, Offenheit und Freude an Begegnung mitbringen und andere im Alltag ein St\u00fcck begleiten m\u00f6chten. Interessierte k\u00f6nnen sich an Ehrenamtskoordinatorin Diana Helfrich vom B\u00fcro Aktiv der AWO Fulda wenden. Sie informiert \u00fcber das Projekt, beantwortet Fragen und begleitet die Vermittlung passender Patenschaften.<\/p>\n<p><strong>Kontakt:<\/strong><br \/>B\u00fcro Aktiv<br class=\"false\" \/>Telefon: 0661 480045-10<br class=\"false\" \/>E-Mail: <a class=\"false\" href=\"mailto:buero.aktiv@awo-fulda.de\">buero.aktiv@awo-fulda.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Mit freundlicher F\u00f6rderung durch die Gl\u00fccksspirale.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/awo-fulda.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Logo_Gluecksspirale_Einfach.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"188\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAWO hilft, liefert, f\u00e4hrt\u201c war ein durch die Stadt Fulda gef\u00f6rdertes kostenloses Unterst\u00fctzungsangebot des AWO Kreisverbandes Fulda. 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